„Die strategische Lage des Werks ist top“
Interview: Der Standort von Opel im Westen Kaiserslauterns wird 60 Jahre alt. Am 20. Juni öffnet das Werk seine Pforten, lädt ein zum Tag der offenen Tür. Mit der Leiterin des Werks, Bilyana Stern, hat sich Andreas Sebald über die Feier, die Zukunft des Werks und potenzielle neue Nachbarn unterhalten.
Frau Stern, das Fest zum 60. Geburtstag des Werks in Kaiserslautern steht vor der Tür. Wie laufen die Vorbereitungen?
Es ist alles im Gange, es läuft gut. Das wird eine spannende Geschichte. Wir haben ein sehr abwechslungsreiches Programm: Das Werk wird für Rundgänge geöffnet, es gibt eine Oldtimer-Ausstellung, Probefahrten unserer neusten Modelle, viele Angebote für Kinder, um nur mal ein paar Punkte zu nennen. Da sollte jeder etwas finden. Ich hoffe, dass das Wetter mitspielen wird. 60 Jahre alt wird nicht jedes Werk.
Welche Rolle spielt das Opelwerk in Kaiserslautern in der Welt von Stellantis?
Eine zentrale Rolle. Aus Kaiserslautern stammen viele Teile, die in den Autos von Stellantis verbaut werden. Im vergangenen Jahr etwa haben wir aus Kaiserslautern Teile und Komponenten für rund 2,8 Millionen Fahrzeuge geliefert.
Eine beeindruckende Zahl. Wie sieht es bei den Mitarbeitern aus? Am Standort?
Die Anzahl der Mitarbeiter bleibt stabil. Opel-Chef Florian Huettl hat ja Anfang vergangener Woche auch Investitionen von einer Milliarde Euro in Deutschland angekündigt. Davon fließt auch Geld nach Kaiserslautern.
Wo ist Investitionsbedarf in Kaiserslautern?
Aktuell stecken wir Geld in Effizienzmaßnahmen und die Modernisierung des Werks: in die Infrastruktur, also in Gebäude und in das Gelände, aber auch in Projekte, die weiter in die Zukunft reichen. Wie zum Beispiel in eine neue Stelle, von der die Modelle verschiedener Stellantis-Marken in die Auslieferung an Händler und die Übergabe an Kunden gehen. Wenn in Kaiserslautern auch Teile für Modelle der Zukunft produziert werden sollen, dann müssen sich auch die Anlagen verändern. Das ist dann der nächste Schritt.
Auf Sicht: Welche Veränderungen stehen dem Werk in Kaiserslautern bevor?
Ganz konkret werden durch die neue Vorbereitungsstelle bald noch mehr aktuelle Fahrzeuge der verschiedenen Stellantis-Marken im Umkreis zu sehen sein. Denn neben der aktuellen Komponentenproduktion ist, wie erwähnt, diese neue Stelle hier geplant, die die Autos bereit macht für ihre Auslieferung an Kunden in Deutschland. Das freut uns ganz besonders, denn das gibt der Belegschaft eine ganz neue Perspektive und sie sehen noch häufiger die kompletten Fahrzeuge, in denen dann auch unsere Teile verbaut sind. Diese Transformation ist der nächste Schritt – was darauf folgt, werden wir zu gegebener Zeit kommunizieren. Also alles in Bewegung – und das in eine positive Richtung!
Hat es Auswirkungen auf das Werk Kaiserslautern, dass sich die Mobilität auch in Richtung elektrische Antriebe bewegt?
Es stimmt, in Europa sehen wir, dass die Nachfrage nach E-Autos nach oben geht. An der Stelle will ich aber betonen, dass wir in Kaiserslautern Teile für alle Auto-Typen bauen. Wir sind kein Motorenwerk mehr, wie das früher mal war. Die Komponenten, die wir heute herstellen vor Ort, werden auch in E-Autos verbaut. So fertigen wir beispielsweise den Unterbau für viele Modelle. Nur noch ein kleiner Teil von vielleicht fünf Prozent unserer Kapazitäten in Kaiserslautern, macht heute das Thema Verbrennungsmotoren aus. Mit unserer Expertise vom damaligen Motorenbau reparieren wir Motoren alter Opel-Modelle im Rahmen von Garantien.
Wird das Werk in Kaiserslautern auch seinen 75. Geburtstag erleben?
Ich sehe im Moment keinen Grund, warum das Werk in 15 Jahren nicht weiter produzieren sollte. Die strategische Lage des Werkes ist top, auch mit der Infrastruktur, den Anlagen, sind wir heute gut aufgestellt. Es gibt aus meiner Sicht kein Werk bei Stellantis europaweit, das hundertprozentig dem Werk in Kaiserslautern gleicht. Ähnlichkeiten hat vielleicht noch das Werk in Saragossa, das übrigens auch eine lange Historie als Opel-Werk hat. Dort produzieren wir auch heute noch den Opel Corsa – unseren Bestseller im Kleinwagensegment seit fünf Jahren in Deutschland.
Letzte Frage: Mit Blick auf das Nachbargelände, auf dem ACC ja ein Batteriezellwerk bauen wollte – wer wäre denn aus Ihrer Sicht ein guter Nachbar?
Generell: Wenn sich auf dem Gelände etwas tut, dann fände ich das sehr, sehr gut. Ich würde es begrüßen, wenn wir uns mit den neuen Nachbarn Teile der Infrastruktur teilen könnten, wenn Synergie-Effekte auftreten, bei einer gemeinsamen Feuerwehr etwa, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Wir haben aber keine Präferenz mit Blick auf die Nachbarn. Wenn es eine gute Lösung für die Stadt gibt, sind wir zufrieden.
ZUR PERSON
Bilyana Stern leitet seit März 2025 den Opel-Standort Kaiserslautern, zudem ist sie noch am Standort Rüsselsheim für das Presswerk zuständig. Opel gehört zum italienisch-französischen- amerikanischen Stellantis-Konzern, so wie auch die Marken Fiat, Peugeot oder Chrysler. Stern wurde 1989 in Bulgarien geboren, studierte in Dortmund Technische Logistik und Maschinenbau. Nach einigen Stationen, unter anderem bei Tesla und bei Amazon, arbeitet sie seit 2023 bei Opel. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt.
Quelle: Die Rheinpfalz - Pfälzische Volkszeitung - Nr. 139, den 19. Juni 2026